Nussknacker Krakatuk
Verdun , Dezember 1916. Im ehemaligen Kirchenschiff der St.-Nikolaus-Kathedrale roch es nicht nach Weihrauch, sondern nach süßlicher Fäulnis, Karbol und altem Schweiß. Die Glasmalereien waren längst von der Druckwelle zertrümmert worden; anstelle von Heiligengesichtern blickte der graue, gleichgültige Himmel der Picardie in die Öffnungen. Oberarzt Drosselmeier ging zur Visite. Er war kein gütiger Pate, sondern ein Mechaniker des Fleisches. Seine Taschen waren nicht mit Süßigkeiten gefüllt, sondern mit den „Gaben“ des Krieges: Gelenkprothesen , Glasaugen und Morphiumampullen. — Hier ist dein neues Bein, Soldat, — er warf ein grobes Holzstück auf das Bett. — Und für dich — das Vergessen. Er injizierte dem schreienden Artilleristen eine Dosis, und dieser verstummte. Drosselmeier war der Einzige hier, der verstand: Manchmal kann man einen Menschen nicht reparieren, man kann ihm nur eine andere Realität schenken. In der Ecke hinter einem Paravent lag Marie – die Tochter v...