GESCHICHTEN AUS DEM WIENERWALD
Das Geheimnis der Partitur Ouvertüre: Ein Vertrag im Dreivierteltakt Alle Biografen lügen. Sie schreiben, dass Johann Strauss 1868, auf dem Höhepunkt der imperialen Depression nach der Niederlage bei Königgrätz, in den Wienerwald ging, um Inspiration zu suchen. Sie schreiben von singenden Vögeln, raschelnden Blättern und einer pastoralen Idylle. Die Wahrheit aber war eine andere. Strauss ging nicht in den Wald, um Musik zu finden. Er ging, um ein Geschäft abzuschließen. Wien lag im Sterben. Es brauchte eine Droge, die stärker als Opium und billiger als Brot war. Es brauchte die Illusion der Unsterblichkeit. Strauss wusste, wo er sie finden konnte. Der Wienerwald war nie nur ein Park – er war ein uralter, unersättlicher Organismus, der die Stadt umgab. Die Barriere zwischen der Welt der Lebenden und der Welt der Schatten. An jenem Morgen trat Strauss blass und mit zitternden Händen aus dem Wald, in der Tasche seines Gehrocks ein zerknülltes Stück Notenpapier umklammernd. D...